Rezensionen

Ursula F., 27. Dezember 2018
Fünf abenteuerliche Geschichten für alle, die sehen wollen, was Beginn bedeuten kann.
Karo Blau: Beginn

Die Ausdrucksmalerin Karo Blau hat mit ihrem zweiten Band ihrer Trilogie das Thema Beginn vielschichtig beleuchtet. Die Ablichtung der teilweise großformatigen Originale, die in den Jahren 1996 -2016 entstanden sind, wurden ursprünglich auf Papier mit Gouachefarben gemalt. Die Farbintensität, die vielfach groben Pinselstriche, die kontrastreichen Farben, die freie Farbauswahl geben den Bildern eine starke Emotionalität. Ein blaues Baby mit rot unterlaufenen Augen wirkt dramatisch hilfsbedürftig. Ein gelb grundiertes Gesicht mit einer Löwenmähne wirkt lebenslustig und froh.

Mit jedem der fünf Kapitel wird die Geschichte eines Beginns erzählt. Von Geborgenheit, von Fürsorge, von Hilfsbereitschaft ist die Rede, vom Festhalten, vom Fliegen und vom Schwimmen. Ein Neubeginn ist für Karo Blau auch ein loderndes Feuer, in dem eine Frau tanzt, nackt! Ein (Neu) Beginn kann frei gewählt sein oder durch das Leben selbst hervorgebracht werden. Die Bilder lassen viel Raum für eigene Deutungen und bieten die Möglichkeit sich mit eigenen Empfindungen zu dem Thema auseinander zu setzen. Die Bilder berühren und sind teilweise beunruhigend. Sie trösten und sie machen Mut. Der titelgebende Wolf ist das Sinnbild für einen Beginn mit Neugierde und Sehnsucht. Das 44-Seiten-starke Buch ist eine abenteuerliche Geschichte für alle, die sehen wollen, was Beginn bedeuten kann.

Peter B., 26. Dezember 2018
Karo Blau: Beginn

Geschichten, in Bildern erzählt

Der Bildband „Beginn“ von Karo Blau, der zweite Teil einer als Trilogie angelegten Reihe, beeindruckt mit seinen Ausdrucksmal-Bildern die Betrachterin und den Betrachter und zieht sie hinein in seine Bild-Geschichten: Erzählungen, die abgesehen von den Bildtiteln ohne Worte auskommen, also in Bildern erzählt werden.
Die Geschichte vom „Beginn“ wird in 35 Bildern erzählt, die in weitem Bogen das Werden und entstehen vom Küken aus dem Ei, dem Embryo im Bauch einer schwangeren Frau bis zur Frau, die im Feuer tanzt bis zu den Vorgängen in wachsenden Körpern spannt. Das schönste Bild kommt zuletzt.

Die Autorin ist Diplom-Ingenieurin für Elektrotechnik, Gestaltpädagogin und war mehr als 30 Jahre als Lehrerin tätig. Seit 1994 ist sie künstlerisch tätig und hatte eine Reihe von Ausstellungen im In- und Ausland. Die Bilder in diesem Band sind den zweiundzwanzig Jahren von 1995 bis 2016 als Ausdrucksmal-Bilder entstanden. Alle Bilder sind mit Gouache-Farben auf Papier gemalt, einem wasserlöslichen Farbmittel aus grob gemahlenen Pigmenten unter Zusatz von Kreide und Gummi arabicum als Bindemittel, im Original teilweise sehr großformatig (bis zu 210 x100 cm).

Der Gestalt-Therapeut Laurence Fotheringham beschreibt Ausdrucksmalerei so: „ Die Bilder, die wir malen, sind der sichtbare Ausdruck unseres inneren, emotionalen Lebens. Ausdrucksmalen ist der Prozess, diese Bilder zu finden und ihnen eine sichtbare Form zu geben. Es ist ein Prozess, an dem alle Sinne, Verstand, Gefühle und Intuition teilhaben, ein kreativer Schöpfungsakt, der besondere Einsichten in die persönlichen Lebensthemen gibt und alte seelische Wunden heilen kann.

Mich haben zwei Bildreihen besonders berührt: Zum einen der Akt einer schwangeren Frau, im nächsten Bild gefolgt vom Torso einer Schwangeren und ihres Embryos. Der ist zwar noch in ihrem Bauch geborgen: Aber in Karo Blau´s Bild wird er trotzdem sichtbar. Und er hat die gleiche Silhouette wie der Torus seiner Mutter. Wo bei der Mutter die Brust ist,, befindet sich beim Embryo der Kopf und der Embryo-Körper hat die Form des Bauchs der Schwangeren. Der Hintergrund für die Darstellung des Embryos ist grün wie die Hoffnung – genau wie der Hintergrund des gesamten Bilds. Es geht bei den Bildern nicht um die Darstellung des objektiv sichtbaren, sondern um die inneren Bilder und Vorstellungen.

Zum zweiten hat mich die Bildreihe von der Feuerfrau beeindruckt: Das Feuer brennt feuerrot, die Frau in der Mitte des Feuers hat ein blaues Kleid an und reckt die Arme zum Himmel. Als kalte Farbe bildet blau den Gegensatz zum warmen Feuerrot. Auch die Gottesmutter Maria schmückt ein blauer Mantel. Maria verkörpert Ruhe und Innerlichkeit, Treue und Tradition. Im zweiten Bild der Reihe tanzt die Frau nackt im Feuer, verbrennt aber nicht. Auch sie reckt die Arme zum Himmel, sie scheint schwerelos aufzusteigen wie Maria bei ihrer Himmelfahrt. Sie ist umgeben von mehreren Sphären schützender kugelrunder Blasen. In diesem Bild ist rot die beherrschende Farbe, das vereinzelte Gelb lässt das Feuer lichterloh brennen, und eher im äußeren Bereich des Bilds droht lilafarben die Außenwelt. Ein starkes Bild!

Wie gesagt: Das schönste Bild kommt zuletzt, und weil es das schönste ist, schmückt es auch den Einband: „Wohin des Wegs, schöne Frau?“ fragt die junge Wölfin. Gemeinhin haben wir ja eher Angst vor dem Wolf. Aber so wie Karo Blau die junge Wölfen malt, begleiten wir sie gern weiter auf ihrem Weg und „stürzen uns tollend ins Getümmel.“

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